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1. Absatz

Polarisation der Aufmerksamkeit und Normalisation

Maria Montessori beobachtete einmal ein Mädchen, das ganz vertieft war in die Beschäftigung mit einem Einsatzzylinderblock. Sie beschreibt:

”Zu Anfang beobachtete ich die Kleine, ohne sie zu stören, und begann zu zählen, wie oft sie die Übung wiederholte, aber dann, als ich sah, dass sie sehr lange damit fortfuhr, nahm ich das Stühlchen, auf dem sie saß, und stellte Stühlchen und Mädchen auf den Tisch; die Kleine sammelte schnell ihr Steckspiel auf, stellte den Holzblock auf die Armlehnen des kleinen Sessels, legte sich die Zylinder in den Schoß und fuhr mit der Arbeit fort. Da forderte ich alle Kinder auf zu singen; sie sangen, aber das Mädchen fuhr unbeirrt fort, seine Übungen zu wiederholen. Ich hatte 44 Übungen gezählt, und als es endlich aufhörte, tat es dies unabhängig von den Anreizen aus der Umgebung, die es hätten stören können; und das Mädchen schaute zufrieden um sich, als erwachte es aus einem erholsamen Schlaf."

2. Absatz

Maria Montessori beschreibt hier ein Phänomen, das wir als ”Polarisation der Aufmerksamkeit” bezeichnen. Bis zu diesem Erlebnis hatte Montessori wie die anderen Psychologen ihrer Zeit geglaubt, dass das kleine Kind unfähig sei, seine Aufmerksamkeit lange auf irgendeinen Gegenstand zu konzentrieren. Aber noch erstaunlicher war die Beobachtung, dass das Kind durch diese Konzentration auf ein Tun und die Möglichkeit, es sooft zu wiederholen, wie es wollte, sich offenbar in seiner Persönlichkeit positiv verändert hatte. Maria Montessori schreibt:

Wenn die Kinder eine Arbeit so gesammelt ausgeführt haben, scheinen sie immer ausgeruht und innerlich gestärkt zu sein. Es ist, als ob für die Kräfte, die in ihrer Seele ruhen, ein Weg frei geworden wäre, ihre besten Seiten kommen zum Vorschein.

 

3. Absatz

Normalisation

Von nun an war Maria Montessori bemüht, Übungsgegenstände zu entwickeln, die diese ”Polarisation der Aufmerksamkeit” ermöglichen, und eine Umgebung zu schaffen, die die günstigsten äußeren Bedingungen für diese Konzentration bieten. Hier liegt der Schlüssel ihrer Pädagogik: Diese kostbaren Zustände der Konzentration mit ihrer Wiederholung der Übung zu erkennen und sie zum Lernen all dessen zu nutzen, was die Bildung betrifft. Das Wichtigste aber ist, dass diese ”Polarisation der Aufmerksamkeit” kein Selbstzweck ist, sondern dass das Kind dadurch stufenweise zu einem Aufbau seiner eigenen inneren Persönlichkeit gelangt. Maria Montessori bezeichnet diesen Vorgang als ”Normalisation”.